Folge 37: Ohnmacht in der Demenz – Wie kleine Reize zu grossen Herausforderungen werden

Die tägliche Pflege und der Umgang mit Menschen, die an Demenz erkrankt sind, bringen oft unvorhergesehene Herausforderungen mit sich. In der neuesten Podcast-Episode von «Chopfsach», dem Schweizer Demenz-Podcast, vertiefen Judith Kronbach und Alex Blunschi das Verständnis von Stress und Ohnmacht bei Menschen mit Demenz. Gemeinsam mit der Expertin Laura Adlbrecht beleuchten sie, wie körperlicher und emotionaler Stress bei Demenzkranken eine andere Dynamik entwickeln kann und welche Lösungsansätze helfen können, Eskalationen zu vermeiden.

Was stresst Menschen mit Demenz?

Alltägliche Situationen, die für viele als belanglos erscheinen mögen, können bei Menschen mit Demenz massive Stressreaktionen auslösen. Geräusche, überfüllte Räume oder sogar einfache Gespräche können als Reizüberflutung wahrgenommen werden, da das Gehirn die Informationen nicht mehr effektiv verarbeiten kann. Judith Kronbach beschreibt, dass Betroffene oft in einer Spirale der Ohnmacht gefangen sein können, weil das Gefühl der Entwarnung, das für uns selbstverständlich ist, deutlich abgeschwächt oder gar nicht mehr vorhanden ist.

Den Teufelskreis durchbrechen

Ein wesentlicher Punkt der Episode ist das Verständnis für die neurobiologischen Prozesse, die bei Stress eine Rolle spielen. Wenn das Gehirn Stress nicht mehr richtig verarbeiten kann, weil wichtige Kontrollbereiche wie der Hippocampus und das Stirnhirn beeinträchtigt sind, entsteht ein Teufelskreis aus Überforderung und Aggression. Adlbrecht erklärt anschaulich, dass Situationen, die für uns banal scheinen, bei Demenzkranken zu einer kompletten Desorientierung führen können.

Personenzentrierte Betreuung als Lösung

Eine individuelle, personenzentrierte Betreuung, die im Idealfall Eins-zu-eins stattfindet, kann helfen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Leider sind die Kapazitäten dafür oft nicht vorhanden. Einfache Massnahmen, wie das frühzeitige Erkennen von Stressanzeichen und die Deeskalation durch gezielte Kommunikation, können jedoch eine wertvolle Hilfe im Alltag sein. Besonders das bewusste Beachten von „Stoppzeichen“ – wenn ein Betroffener signalisiert, dass eine Situation ihn überfordert – kann helfen, Eskalationen zu vermeiden.

Gewalt in der Pflege

Gewalt – sowohl von Demenzkranken selbst als auch von Pflegekräften aus der Überforderung heraus – ist ein heikles Thema, das oft mit Scham behaftet ist. Laura Adlbrecht spricht in der Folge offen über die Studienlage und betont, wie wichtig es ist, diese Vorfälle nicht zu tabuisieren, um geeignete Lösungsansätze zu entwickeln. In vielen Fällen ist Gewalt kein Akt der Bosheit, sondern ein Ausdruck grosser Not und Hilflosigkeit sowohl der Betroffenen als auch der Pflegenden.

Der Weg zur Verständigung

Durch Ansätze wie die Validation, bei der die Emotionen des Gegenübers ernst genommen und gespiegelt werden, kann eine Brücke zur Verständigung geschaffen werden. Diese Methode aktiviert positive Emotionen und kann helfen, Stress abzubauen und eine stärkere Beziehung aufzubauen.

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