Folge 29: Demenz im Kontext von Migration II: Eine kulturelle Herausforderung im Gesundheitssystem

In der aktuellen Episode tauchen wir zum zweiten Mal in die vielschichtige Thematik rund um Demenz, Migration und die damit verbundenen kulturellen Tabus ein. Diese Folge widmet sich den Spannungsfeldern zwischen unterschiedlichen kulturellen Werten und der praktischen medizinischen Versorgung in der Schweiz, insbesondere im Umgang mit Menschen mit Demenz.

Ein familiäres Dilemma als Ausgangspunkt

Die Episode beginnt mit der Erzählung einer Familie, die sich zwischen ihren kulturellen Werten und den Herausforderungen des Pflegealltags hin- und hergerissen fühlt. Die Töchter dieser Familie sind selbst Pflegefachfrauen und arbeiten auf einer Demenzstation, aber die Unterbringung ihrer an Demenz leidenden Mutter in einer Institution kommt für sie aus kulturellen Gründen nicht in Frage. Diese Geschichte spiegelt ein weitverbreitetes Dilemma wider, dem viele Menschen mit Migrationshintergrund in der Schweiz begegnen.

Kollektivistische Kulturen: Ein Spannungsfeld

In kollektivistischen Kulturen, wie der albanischen, tamilischen und kosovarischen, wird erwartet, dass die Familie die Pflege der Älteren übernimmt. Diese Werte stehen oft im Kontrast zu den Praktiken in der Schweiz, wo das Einziehen in ein Altersheim als eine akzeptable Option gilt. Diese Episode beleuchtet, wie Menschen mit Migrationshintergrund zu tragenden Säulen im Gesundheitssystem werden, während sie gleichzeitig persönlichen und kulturellen Herausforderungen gegenüberstehen.

Beispiele aus dem Alltag

Judith Kronbach führte Gespräche mit Albulena Berisha, einer Pflegefachfrau aus dem Kosovo, und Karthiya Kirupakarasarma, einer Expertin für tamilische Kultur. Sie diskutieren die kulturellen Ansichten zu Demenz und wie diese den Umgang mit der Krankheit beeinflussen. In vielen Fällen wird Demenz als Alterserscheinung angesehen, was zu einem Tabu führt, die Krankheit offen anzusprechen.

In den besprochenen Kulturen wird oft Wert darauf gelegt, die Diagnose einer schweren Krankheit indirekt mitzuteilen, um die betroffenen älteren Menschen zu schützen. Religiöse Überzeugungen spielen ebenfalls eine Rolle, indem sie bestimmte Sichtweisen auf Krankheit und Pflege fördern. Diese tief verwurzelten kulturellen Codes beeinflussen, wie und ob externe Hilfen wie Spitex angenommen werden.

Verständnis schaffen durch Austausch

Diese Podcast-Episode will ein Bewusstsein für die kulturellen Unterschiede im Umgang mit Demenz zu schaffen. Der Austausch von Erfahrungen und das Verständnis für unterschiedliche kulturelle Perspektiven können dabei helfen, Vorurteile abzubauen und die Betreuung von Menschen mit Demenz zu verbessern. Gegenseitiges Verständnis und Offenheit sind notwendig sind, um die Herausforderungen der Demenzversorgung zu überwinden.

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Folge 30: Warum Musik positiv wirkt bei Demenz-Betroffenen, Angehörigen und Pflegenden

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Folge 28: Demenz im Kontext von Migration: Kulturelle Dynamiken und Herausforderungen