GFA Folge 5: «Verständnis und Geduld sind Schlüsselelemente» 

Mehr Informationen zur Spezialstaffel «Chopfsach - Demenz im Zentrum» finden Sie hier.

Wie gehen Fachpersonen mit herausforderndem Verhalten bei Menschen mit Demenz um? In der fünften Folge von «Chopfsach – Demenz im Zentrum» sprechen zwei Fachexpertinnen über personenzentrierte Pflege, Medikamente sowie die Bedeutung von Beziehung, Geduld und Zusammenarbeit im Pflegealltag. 

Der Eintritt in eine Pflegeinstitution ist für Menschen mit Demenz häufig mit Unsicherheit verbunden. Corinne Steinbrüchel, Pflegefachfrau und Advanced Practice Nurse, beschreibt diesen Schritt als weit mehr als einen räumlichen Umzug: «Bei einem Heimeintritt wird den Betroffenen der Teppich unter den Füssen weggezogen.» 

Vertraute Abläufe, die gewohnte Umgebung und Bezugspersonen verändern sich. Umso wichtiger ist es, Sicherheit zu vermitteln und die Pflege an den individuellen Bedürfnissen der Bewohnenden auszurichten. 

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Medikamente mit Bedacht einsetzen 

«Medikamente sollten eine untergeordnete Rolle spielen», sagt Corinne Steinbrüchel mit Blick auf mögliche Nebenwirkungen. Gerade bei Menschen mit Demenz gilt es sorgfältig abzuwägen, wann Medikamente notwendig sind und welche Alternativen es gibt. 

Beatrice Widmer, Programmleiterin Bildung am Schulungszentrum Gesundheit, betont dabei die Bedeutung der Gefühle: «Zuerst ist es immer wichtig, dass ich die Emotionen dieser Person erfasse.» Nicht-medikamentöse Ansätze und das Verstehen der individuellen Situation machen deshalb im Umgang mit herausforderndem Verhalten häufig den Unterschied. 

«Zuerst ist es immer wichtig, dass ich die Emotionen dieser Person erfasse.» 

Beatrice Widmer

Beziehung aufbauen, Verhalten besser verstehen 

Die Begleitung von Menschen mit Demenz braucht Geduld, Einfühlungsvermögen und Rücksichtnahme. Beatrice Widmer erzählt von einer Bewohnerin, die sich in ihr Bett zurückgezogen hatte. Erst durch einen behutsamen Beziehungsaufbau gelang es, sie dazu zu motivieren, wieder aufzustehen. 

«Sie hat Selbstwirksamkeit erfahren können», erklärt Widmer. Das Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, die Person, ihre Lebensgeschichte und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen. 

Situationen aushalten, gemeinsam Lösungen finden 

Nicht für jede schwierige Situation gibt es sofort eine Lösung. Auch das Aushalten kann deshalb eine wichtige Kompetenz sein. «Verständnis und Geduld sind Schlüsselelemente», sagt Corinne Steinbrüchel. 

Ebenso wichtig ist die interprofessionelle Zusammenarbeit. Der Austausch zwischen verschiedenen Berufsgruppen hilft, Beobachtungen zusammenzutragen, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen und passende Lösungen zu entwickeln. 

Die Folge macht deutlich: Im Umgang mit herausforderndem Verhalten gibt es keine Standardlösung. Im Mittelpunkt steht die Person hinter der Demenz – mit ihrer Lebensgeschichte, ihren Bedürfnissen und ihren Emotionen. Professionelle Begleitung kann deshalb auch bedeuten, gemeinsam hinzuschauen, auszuhalten und immer wieder neu zu beurteilen, was die betroffene Person braucht.

Über den Podcast  

«Chopfsach – Demenz im Zentrum» ist eine Spezialstaffel in Zusammenarbeit mit den Gesundheitszentren für das Alter der Stadt Zürich. Bis Dezember erscheint alle zwei Wochen eine neue Folge. Als Nächstes: Einblick in die Gerontopsychiatrie – was es bedeutet, wenn zu einer psychischen Erkrankung eine Demenz hinzukommt, wie Mitarbeitende geschult werden und wie ein möglichst vertrautes Zuhause geschaffen werden kann. 

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