GFA Folge 4: «Herausforderndes Verhalten weist oft auf unerfüllte Bedürfnisse hin»
Mehr Informationen zur Spezialstaffel «Chopfsach - Demenz im Zentrum» finden Sie hier.
Schreien, um sich schlagen oder unerwartete Annäherungsversuche: Herausforderndes Verhalten von Menschen mit Demenz kann Mitarbeitende und Angehörige an ihre Grenzen bringen. In der vierten Folge von «Chopfsach – Demenz im Zentrum» geben Mitarbeitende des Gesundheitszentrums Riesbach Einblick in ihren Alltag und erklären, was hinter solchen Verhaltensweisen stecken kann und wie sie damit umgehen.
Eine Mitarbeiterin aus der Hotellerie möchte sauberes Geschirr bringen und wird dabei beinahe körperlich angegriffen. Situationen wie diese gehören zu den Herausforderungen, mit denen Mitarbeitende im Gesundheitszentrum Riesbach konfrontiert sein können. Entscheidend ist die Frage: Was steckt hinter einem solchen Verhalten?
Herausforderndes Verhalten verstehen und einordnen
Samuel Haffner, Fachexperte für Demenz, spricht über Situationen, die beispielsweise beim Kleiderwechsel oder bei der Intimpflege entstehen können. «Ich nenne es gerne, ‚hinweisendes Verhalten‘, da wir davon ausgehen, dass extreme Verhaltensauffälligkeiten Ausdrücke von unbefriedigten Bedürfnissen sind», erklärt Haffner.
Statt nur auf das Verhalten zu reagieren, geht es darum, mögliche Ursachen zu erkennen. Das erfordert ein systematisches Vorgehen, Geduld und ein gutes Verständnis für die Person hinter der Demenz.
«Ich nenne es gerne ‚hinweisendes Verhalten‘, da wir davon ausgehen, dass extreme Verhaltensauffälligkeiten Ausdrücke von unbefriedigten Bedürfnissen sind.»
Nähe zulassen, Grenzen wahren
Auch in der Physio- und Ergotherapie entstehen Situationen, die Fingerspitzengefühl verlangen. Ein separater Behandlungsraum schafft eine ruhige Umgebung, in der sich die Therapeut*innen auf die individuellen Bedürfnisse der Bewohnenden konzentrieren können. Gerade in dieser persönlichen Betreuung spielt auch die Balance zwischen Nähe und Distanz eine wichtige Rolle.
«Manchmal wollen einen Bewohnende umarmen oder einen Kuss geben», erzählt Noëmi Hengartner, Physiotherapeutin und stellvertretende Leiterin Therapien. In solchen Momenten gilt es, persönliche Grenzen zu wahren und gleichzeitig sensibel mit den Bewohnenden umzugehen.
Angehörige als wichtige Partner*innen
Auch die Familie oder Partner*innen spielen eine zentrale Rolle. «Ich freue mich immer, wenn Angehörige da sind», sagt Haffner, «denn sie sind eine wichtige Ressource.» Sie kennen die Lebensgeschichte, Gewohnheiten und Vorlieben der Bewohnenden und können unterstützen, bestimmte Verhaltensweisen besser zu verstehen.
Der Austausch mit ihnen kann dazu beitragen, die Begleitung stärker auf die spezifischen Ansprüche der Bewohnenden abzustimmen. Gleichzeitig können Erkenntnisse aus dem Pflegealltag auch Angehörigen helfen, herausfordernde Situationen besser einzuordnen.
Wohlbefinden und Selbstbestimmung im Blick
Die Folge zeigt: Hinter herausforderndem Verhalten können Bedürfnisse stehen, die nicht anders ausgedrückt werden können. Mitarbeitende aus Pflege, Therapie und Hotellerie versuchen deshalb, genau hinzuschauen und individuelle Lösungen zu finden.
Dabei geht es nicht nur darum, schwierige Situationen zu bewältigen. Im Mittelpunkt stehen das Wohlbefinden und die Selbstbestimmung der Bewohnenden – und ein Umgang, der die Person hinter der Demenz nicht aus dem Blick verliert.
Über den Podcast
«Chopfsach – Demenz im Zentrum» ist eine Spezialstaffel in Zusammenarbeit mit den Gesundheitszentren für das Alter der Stadt Zürich. Bis Dezember erscheint alle zwei Wochen eine neue Folge. Als Nächstes: Herausfordernde Situationen im Pflegealltag – wie Fachpersonen damit umgehen, sie einordnen und welche Ansätze sie dabei unterstützen.
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